ISTAF INDOOR Düsseldorf: der große Disziplin-Check

Welche Stars gehen an den Start? Wer hat Chancen auf den Sieg? Das erwartet die Leichtathletik-Fans am Samstag, 24. Januar 2026, im PSD BANK DOME // Stand: 23. Januar 2026, 11:00 Uhr

Frauen, 60 Meter: Deutsche Aufsteigerinnen fordern internationale Top-Sprinterinnen

Sie haben vergangenes Jahr für Aufsehen gesorgt und wollen ihre starke Form auch in diesem Jahr auf die Bahn bringen: Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) und Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01) stürmten 2025 mit Bestzeiten in die deutsche Sprint-Spitze. Sina Mayer zählte auch zur deutschen 4×100-Meter-Staffel, die bei der WM in Tokio sensationell Bronze gewann. Jolina Ernst war als Ersatzläuferin dabei. Nun wollen beide in der noch jungen Hallensaison für die ersten Ausrufezeichen sorgen. Auf der schnellen blauen Bahn des ISTAF INDOOR wollen sie nur allzu gern ihre Bestzeiten von 7,30 Sekunden (Mayer) und 7,33 Sekunden (Ernst) ein Stück nach unten drücken.

Die Konkurrenz für schnelle Zeiten passt auf jeden Fall. Denn mit der belgischen Hallenrekordlerin Rani Rosius (7,08 sec) und der Schweizerin Geraldine Frey (7,11 sec) peilt ein Duo seinen ersten Sieg im PSD BANK DOME an. Vergangenes Jahr liefen die beiden bereits auf die Plätze drei und vier. Gespannt sein darf man auf den ersten Auftritt von Jonielle Smith beim ISTAF INDOOR. Die Jamaikanerin steigerte sich 2025 über 100 Meter auf 11,03 Sekunden und lief vergangene Woche beim Freiluft-Meeting in Spanish Town (Jamaika) starke 7,06 Sekunden über 60 Meter. Am Donnerstag gewann sie das Meeting in Stockholm mit Hallenbestzeit von 7,12 Sekunden. Damit ist ihr auch in Düsseldorf der große Coup zuzutrauen.

Frauen, 60 Meter Hürden: Deutsche Youngster peilen nächste Überraschung an

Vergangenes Jahr begeisterten die deutschen Hürdensprinterinnen die Fans im PSD BANK DOME. Mit Bestzeit von 7,96 Sekunden setzte sich Rosina Schneider (TV Sulz) mit der Winzigkeit von einer Hundertstelsekunde vor Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen) durch. Es war der Startschuss für eine ganz starke Saison der deutschen Hürdensprinterinnen. Natürlich ist das schnelle Duo auch diesmal beim ISTAF INDOOR mit dabei. Der erste Formtest nach der langen Vorbereitungszeit lief vergangenes Wochenende in Luxemburg für Rosina Schneider mit 8,13 Sekunden und Marlene Meier (Bestzeit: 7,92 sec) mit 8,18 Sekunden vielversprechend. Noch besser schlug sich Franziska Schuster. Die Leverkusenerin lief zum Saisoneinstieg gleich 8,08 Sekunden (Bestzeit: 8,04 sec) und verpasste die Hallen-WM-Norm nur um sechs Hundertstelsekunden. Den vierten Platz in

Luxemburg teilte sie sich übrigens mit der routinierten Evonne Britton (Ghana), die ebenfalls wie die Leverkusenerin beim ISTAF INDOOR dabei ist. Das deutsche Quartett in Düsseldorf komplettiert Hawa Jalloh (MTG Mannheim), die mit einer Bestzeit von 8,07 Sekunden an den Rhein reist.

Die internationale Konkurrenz hat es für den „DLV-Vierer“ allerdings in sich. Denn zunächst muss die „Hürde Vorlauf“ gemeistert werden, um sich einen Platz im prestigeträchtigen Finale der Top Sechs zu sichern. Mit besten Erinnerungen an den PSD BANK DOME geht Reetta Hurske ins Rennen. 2023 lief sie in Düsseldorf mit 7,88 Sekunden im Vorlauf und 7,86 Sekunden im Finale gleich zweimal finnischen Hallenrekord. Mittlerweile ist die 30-Jährige sogar schon bei 7,79 Sekunden angekommen und „auf dem Papier“ die schnellste Sprinterin im Feld.

Einen großen Leistungsschritt machte 2025 Viktoria Forster (Slowakei), die über 60 Meter Hürden (8,01 sec) und 100 Meter Hürden (12,63 sec) neue Landesrekorde aufstellte. Zu gern würde sie gleich zum Saisonauftakt deutlich unter der Acht-Sekunden-Marke bleiben. Auch Ida Beiter Bomme (Dänemark) hat im vergangenen Jahr einen Leistungssprung hingelegt und will ihr neues Niveau in Düsseldorf zeigen. Die Dänin ist übrigens nicht nur eine starke Hürdensprinterin. Mit 6,52 Metern ist die 25-Jährige auch amtierende dänische Weitsprung-Meisterin.

Frauen, Weitsprung: Malaika Mihambo ist bereit für die Saisonpremiere

Deutschlands Weitsprung-Queen ist bereit für ein neues Jahr mit weiten Sprüngen: Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) startet beim ISTAF INDOOR in „ihrem Wohnzimmer“ PSD BANK DOME in die Saison 2026. Seit der Meeting-Premiere 2021 in Düsseldorf ist sie Stammgast, gleich viermal hat sie in Düsseldorf triumphiert. Nur einmal verließ sie nicht als Gewinnerin die Halle. Besonders freut sich die 31-Jährige auf das Wiedersehen mit den großartigen Fans: „Ich verbinde mit dem ISTAF INDOOR Düsseldorf viele schöne Erinnerungen. Die Stimmung dort ist etwas Besonderes, die Fans sind in Düsseldorf immer Feuer und Flamme“, sagt Malaika Mihambo. Die „Düsseldorf-Bestmarke“ der Tokio-Olympiasiegerin steht übrigens aktuell bei 6,96 Metern. Allerdings ist diesmal das ISTAF INDOOR der erste Saisonstart für die zweimalige Weltmeisterin. Da sind die Top-Weiten in der Regel noch nicht zu erwarten.

Der fünfte Sieg in Düsseldorf dürfte für Malaika Mihambo über Pauline Hondema führen. Die Niederländerin ist die Weitsprung-Aufsteigerin der vergangenen Saison und verbesserte die Landesrekorde auf 6,91 Meter (Freiluft) und 6,70 Meter (Halle). Ihren ersten Landesrekord stellte die 25-Jährige übrigens mit 6,65 Metern vergangenes Jahr in Düsseldorf auf. Ebenfalls schon ganz dicht an die sieben Meter ist Khaddi Sagnia herangekommen. Die Schwedin sprang 2022 im Freien 6,95 Meter und 2018 in der Halle 6,92 Meter. Für weite Sprünge sind auch die junge Polin Anna Matuszewicz (PB: 6,71 m) und die U23-Europameisterin Ramona Verman (Rumänien; PB: 6,63 m) gut. Natürlich ist das ISTAF INDOOR auch eine große Bühne für die deutschen Top-Talente. So gehen die 21-jährige Laura Raquel Müller (Unterländer LG; PB: 6,80 m), die gleichalte Libby Buder (TSG Bergedorf; PB: 6,56 m) und die Deutsche Vizemeisterin Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen; PB: 6,54 m) in Düsseldorf auf Weitenjagd.

Frauen, Kugelstoßen: starke Konkurrenz für Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye

Gleich bei der Premiere ihrer Disziplin beim ISTAF INDOOR Düsseldorf im vergangenen Jahr ließ es Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim) krachen: Auf 19,78 Meter beförderte die Kugelstoß-Olympiasiegerin ihr vier Kilogramm schweres Arbeitsgerät im PSD BANK DOME – eine Weltklasseweite! Zu gern würde die 27-Jährige gleich zum Saisonauftakt wieder ein solches Top-Resultat in Düsseldorf anbieten. Zumal die Kugelstoßerinnen die ganze Halle und damit die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fans zum Ende des Meetings für sich haben.

Den Sieg am Rhein peilt auch Fanny Roos an. Die WM-Fünste aus Schweden hat 2025 die stärkste Saison ihrer Karriere mit den fünf besten Wettkämpfen hingelegt und den Landesrekord im Freien auf 19,66 Meter gesteigert. In ähnliche Sphären will die 31-Jährige nun auch unterm Hallendach vorstoßen. Bereits die 20-Meter-Marke hat Jessica Ramsey (USA) in ihrer Karriere mit 20,12 Metern übertroffen. Allerdings ist das schon fünf Jahre her. Dass die 34-Jährige immer noch zur absoluten Weltspitze zählt, bewies sie vergangenes Jahr mit 19,56 Metern. In ähnliche Bereiche können auch Jamaikas Landesrekordlerin Danniel Thomas-Dodd (PB: 19,52 m) und Vizeeuropameisterin Jorinde van Klinken (Niederlande; PB: 19,57 m) kommen. Nach der Umstellung auf die Drehstoßtechnik peilt Julia Ritter (TV Wattenscheid 01) ihren ersten 18-Meter-Versuch an.

Männer, 60 Meter Männer: Deutsche Asse fordern den Hallen-Weltmeister

Der aktuell beste Hallensprinter der Welt gibt beim ISTAF INDOOR Düsseldorf erneut seine Visitenkarte ab: Jeremiah Azu (Großbritannien) ist amtierender Welt- und Europameister unterm Hallendach. Natürlich hat der 24-Jährige auch schon in Düsseldorf gewonnen. Den Sieg von 2023 will er 2026 nur allzu gern wiederholen. Die Voraussetzungen sind gut. Schließlich hat sich Jeremiah Azu seitdem deutlich gesteigert und ist mit einer Bestzeit von 6,49 Sekunden der schnellste Sprinter im Düsseldorfer Feld. „Ich liebe es, in Deutschland zu starten. Jedes Mal, wenn ich hierherkomme, laufe ich schnelle Zeiten. Die Präsentation und die Musik beim ISTAF INDOOR machen für mich den Unterschied“, schwärmte der Brite nach seinem Sieg 2023. Dass die Form für die Rennen im PSD BANK DOME passt, bewies der Brite am Donnerstag in Stockholm mit 6,54 Sekunden zum Saisoneinstand.

Die Konkurrenz wird dem Hallenweltmeister den prestigeträchtigen Sieg in Düsseldorf natürlich nicht ohne Gegenwehr überlassen. Speziell die deutschen Sprinter sind in der Breite und Spitze stark vertreten. Angeführt werden die deutschen Top-Sprinter von Joshua Hartmann (ASV Köln). Zwar ist der deutsche 200-Meter-Rekordler vermehrt auf der längeren Sprintstrecke im Einsatz. Doch mit einer Bestzeit von 6,53 Sekunden – der deutsche Hallenrekord steht bei 6,52 Sekunden – ist er mit einem guten Start als Grundlage immer für einen Coup gut. Mit Aleksandar Askovic (Bayer 04 Leverkusen; PB: 6,56 sec), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV; PB: 6,58 sec), Nishon Ebanks (Jamaika; PB 6,54 sec) und dem Briten Eugene Amo-Dadzie (6,59 sec) sind vier weitere Sprinter dabei, die schon unter 6,60 Sekunden gelaufen sind. Aber auch Yannick Wolf (Munich Athletics), der Nigerianer Folawyo Olayoe (PB: beide 6,60 sec) und der 2025 wieder stark

zurückgekehrte Marvin Schulte (ASV Köln; PB: 6,62 sec) wollen sich über einen der beiden Vorläufe einen Platz im Finale sichern – und dort natürlich möglichst weit vorn landen. Klar ist: Über den Finaleinzug und die Podestplätze können Tausendstel entscheiden!

Männer, 60 Meter Hürden: spanisches Duo in der Favoritenrolle

Die spanischen Hürdensprinter eilten in den vergangenen Jahren von Erfolg zu Erfolg. Selten fehlten sie in großen internationalen Finals. Natürlich sind sie auch im PSD BANK DOME mit von der Partie – und haben sehr gute Aussichten auf dem Sieg. Speziell mit Enrique Llopis ist zu rechnen. Der Olympia-Vierte startete vergangene Woche in Luxemburg mit 7,50 Sekunden pfeilschnell in die Saison – nur zwei Hundertstel fehlten ihm zur Bestzeit und damit zum spanischen Rekord. Nur eine Hundertstel langsamer war in seiner Karriere bisher Asier Martinez, ebenfalls 25 Jahre alt und bei der EM 2022 in München mit Gold dekoriert, in seiner Karriere unterwegs.

Nach fast einem Jahr Verletzungspause startet Tim Eikermann (TSV Bayer 04 Leverkusen; PB: 7,63 sec) in die neue Saison. Er will langsam wieder an alte Top-Leistungen anschließen und wenn möglich ins Finale laufen. Klar auf Finalkurs sind Michael Obasuyi (Belgien; PB: 7,54 sec) und Job Geerds (Niederlande; PB: 7,54 sec). Für die deutschen Talente Stefan Volzer (TSV Bayer 04 Leverkusen; PB: 7,83 sec) und Timon Dethloff (Cologne Athletics; PB: 7,92 sec) dürfte der Vorlauf bereits zu einer hohen Hürde werden.

Männer, Stabhochsprung: Lokalmatadoren in der Rolle der Jäger

Sehr lange dürften die deutschen Stabhochsprung-Asse Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) und Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen) für ihre Anreise in den PSD BANK DOME nicht brauchen. Dafür wollen sie umso länger im Wettkampf verweilen. Denn greifen die Stab-Artisten in Düsseldorf zu ihrem Arbeitsgerät, sind große Höhen an der Tagesordnung. Und genau die peilen die Lokalmatadoren an. Dass das Wintertraining gepasst hat, zeigte Torben Blech beim Season Opening vergangenes Wochenende mit 5,60 Metern. Beim ISTAF INDOOR will er einige Zentimeter draufpacken. Schließlich weiß er, wie dünn die Luft in großer Höhe von Düsseldorf ist. Denn exakt an selber Stelle überquerte er seine Bestleistung von 5,86 Metern. Für Bo Kanda Lita Baehre ist das ISTAF INDOOR der Start ins Leichtathletik-Jahr. Mit 5,81 Metern konnte er vor vier Jahren bereits das Prestigemeeting mit Hallen-Bestleistung gewinnen. Diese positiven Erinnerungen könnten den Lokalmatadoren erneut zu Höhenflügen antreiben.

Angeführt wird das Starterfeld in Düsseldorf von zwei Sechs-Meter-Springern: dem zweifachen Weltmeister Sam Kendricks (USA) und dem Vizeweltmeister von 2023, Ernest Obiena (Philippinen). Beide sind Stammgäste beim ISTAF INDOOR und wollen nur zu gern das Meeting gewinnen. Das gilt auch für Ersu Sasma. Der Türke steigerte vergangenes Jahr die Landesrekorde im Freien (5,92 m) und in der Halle (5,90 m) und kratzt damit ebenfalls an der prestigeträchtigen Sechs-Meter-Marke. Das gilt auch für den niederländischen Rekordler Menno Vloon – mit 5,96 Metern fehlen dem 31-Jährigen nur noch vier Zentimeter zum Sprung „in neue Sphären“.

Männer, 60 Meter Para-Sprint:  Drei Paralympicssieger wollen den Sieg

Stelldichein der besten Parasprinter beim ISTAF INDOOR: Der zweifache T62-Paralympicssieger Sherman Guity Guity (Costa Rica) fordert über 60 Meter das deutsche Para-Ass Johannes Floors (TSV Bayer 04 Leverkusen), der auch schon zweimal paralympisches Gold (T62) gewinnen konnte.

Ebenfalls dabei über 60 Meter auf der blauen Bahn im PSD BANK DOME: Jonnie Peacock (Großbritannien), T44-Paralympicssieger 2012 und 2016, und der zweifache Paralympics-Medaillengewinner Olivier Hendriks (Niederlande). Das Quartett stand bereits geschlossen bei den Paralympics 2024 im 100-Meter-Finale – mit dem besten Ende für Sherman Guity Guity, der mit paralympischem Rekord von 10,65 Sekunden gewann. „Ich werde der beste paralympische Athlet der Welt“, soll der 29-Jährige noch im Krankenhaus gesagt haben, nachdem er im Jahr 2017 seinen linken Unterschenkel bei einem Motorradunfall verloren hatte. Bei seinem ersten Auftritt im PSD BANK DOME will der Sprinter aus Costa Rica natürlich direkt zum Sieg stürmen.

Das Zeug dazu bringt Jonnie Peacock mit. Der Brite triumphierte bei den Paralympics 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro über 100 Meter. In Paris belegte er 2024 in 10,91 Sekunden den fünften Platz. Der rheinische Lokalmatador Johannes Floors ist auf allen Sprintdistanzen stark, die längeren liegen ihm als beidseitig Unterschenkelamputiertem aber eher als die kürzeren 60 Meter. In Paris wurde er über 100 Meter Vierter, hinter Sherman Guity Guity, aber vor Jonnie Peacock. Auch der Leverkusener stand schon zweimal bei Paralympics ganz oben (2016 mit der 4×100 m-Staffel, 2021 über 400 m). Der Niederländer Olivier Hendriks, Paralympics-Zweiter über 400 Meter, war bereits 2025 als Zweiter ganz dicht dran beim Sieg in Düsseldorf. Vielleicht gelingt ihm ja diesmal die Sensation?